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Twitter tötet 3rd-Party-Clients und das Kreditkartenproblem

Viele werden es schon mitbekommen haben, Twitter wird (mal wieder) seine API updaten. Nichts besonderes mag mancher denken, aber die diesmaligen Änderungen sind alles andere als marginal:

Zuerst soll der gesamte Zugriff auf die API nur noch mit Authentifizierung möglich sein, bisher war es möglich, auf bestimmte Endpunkte, wie die Suche oder Profile ohne Authentifizierung zu nutzen. Software wie zum Beispiel Tweetnest muss deshalb für die neue API-Version geupdated werden und jeder, der sich die Software installiert, muss dafür auf der Twitter-Dev-Seite einen API-Key beantragen.

Die zweite Änderung betrifft das Rate-Limiting, also die Begrenzung, wie oft eine App auf die API zugreifen darf. Bisher wurde das so geregelt, dass eine App 350 mal pro Stunde auf die API zugreifen durfte, in der neuen Version wird das ganze pro Endpunkt begrenzt, sprich 60 Requests pro Stunde für die Timeline, 60 für Suchen, usw. Bestimmte Endpunkte, wie die Anzeige einzelner Tweets, haben ein höheres Limit von 720 Requests pro Stunde.

Die dritte Änderung sind eigentlich mehrere kleinere:

Die bisherigen Display Guidelines, also Anzeige-Richtlinien werden zu Display Requirements, also Anzeige-Vorgaben, die befolgt werden müssen. Diese Regelung dürfte die Evolution der Clients stark einschränken, da neue Ideen von vornherein ausgeschlossen werden. Als Twitter 2006 an den Start ging, war nirgends die Rede von @Replies, geschweige denn von Retweets. Diese Features wurden von den Usern und insbesondere von den Clients vorangetrieben.

Der nächste Punkt ist dann der, über den sich im Moment alle aufregen: Wer einen traditionellen Client, wie zum Beispiel Tweetbot, schreibt und wahrscheinlich auf über 100.000 Nutzer kommt, braucht dafür die explizite Genehmigung von Twitter. Für Apps, die bisher schon über 100.000 Nutzer haben, gilt eine Obergrenze von 200% der momentanen Nutzerzahl. Hat also ein Client heute z.B. 120.000 Nutzer, so liegt seine zukünftige Obergrenze bei 240.000 Nutzern (frei nach Adam Riese). Alles was darüber hinaus geht, braucht wieder die Genehmigung von Twitter.

Man kann also schon sehen, wohin die Reise geht: 3rd-Party-Clients sollen weg, die Nutzer sollen bitte alle entweder die offiziellen Clients oder besser gleich die Website benutzen, wo sie auch die passende Werbung sehen. Diese Marschrichtung will mir und auch vielen anderen nicht sonderlich zusagen, deshalb schauen sich viele schonmal nach Alternativen um. Eine davon ist App.net, ein Dienst sehr ähnlich zu Twitter. Vor kurzem erst gestartet und noch in der frühen Alpha-Phase, finanziert sich App.net nicht durch Werbung, sondern durch eine jährliche Gebühr in Höhe von $50. Das mag sich erstmal nach viel anhören, ist man es doch gewohnt, im Web 2.0 (Ich weiß, sinnloses Buzzword) mit seiner Aufmerksamkeit auf Werbung zu bezahlen. Viele sehen Twitter inzwischen aber als Teil von ihrem Leben und wären sofort bereit, diese Gebühr zu bezahlen, für eine freie API und keine Werbung.

Hier liegt dann der zweite Teil der Überschrift, das Kreditkarten-Problem: Viele Dienste, zu denen ich gerne Geld hinschmeißen würde, darunter u.a. App.net und Backblaze akzeptieren zur Zahlung lediglich Kreditkarten, ein Zahlungsmittel, was lediglich 20% der deutschen Bürger überhaupt besitzen. In den USA mag diese Marktdurchdringung anders aussehen. Ich finde aber, dass wenigstens PayPal als Alternative angeboten werden könnte, meinetwegen auch mit höherem Preis wegen der Gebühren.

Autor: Dennis

Ich bin dualer Student beim SWR in Stuttgart. Ansonsten noch Photographie-Nerd, Mac-User, Doctor-Who-Gucker, Podcast-Hörer, Bücher-Leser, Ingresser, Bahnreisender, Physikspannendfinder, Familientechsupporter und auch sonst für alles zu begeistern, was jemals in "The Big Bang Theory" vorkommen könnte.